Konzertberichte 2014

Daughtry

- Sinplus

Bodenständiges Handwerk mit Wohnzimmer-Atmosphäre 

Den Einheizer-Part übernahmen an diesem Abend die Tessiner Pop-Rocker Sin Plus. Bekannt geworden 2010 mit ihrer Eurovision-Contest-Teilnahme wo sie sich mit dem Titel „Unbreakable“ nahlos in die Null-Punkte-Galerie der helvetischen Interpreten einreihten. Ohne grosse Höhepunkte wärmten sie das zahlreiche Publikum auf den amerikanischen Headliner ein.

 

Zuerst verneigen wir uns und ziehen den Hut vor dem 34 jährigen Nordamerikaner Daughtry. Als einer der wenigen Teilnehmer einer Castingshow konnte er das Sendeformat als Karrieresprungbrett benutzen. 2007 wurde er vierter in der fünften Staffel des amerikanischen DSDS-Pendant „American Idol“. Sein Talent wurde infolge von Produzenten-Koryphäen Max Martin und Timbaland erkannt und gefördert, mit dem Resultat: erste Plätze in den amerikanischen Billboard-Charts.

 

Eröffnet wurde das Set mit dem Titelsong der aktuellen und gleichnahmigen CD „Baptized“. Ein stampfender Rocksong der das Publikum Ruck-Zuck in Partystimmung brachte. Routiniert setzte Daughtry das Konzert fort und hielt die Stimmung 75 Minuten überdurchschnittlich hoch. Unterstütz wurde er durch seine langjährige Begleitband: Robin Diaz Drums, Josh Paul Bass, Elvio Fernandes Keyboard, Brain Craddock Rhythmusgitarre und Josh Steely Leadgitarre. Ein gekonnt arrangiertes Set mit mehrheitlich Songs vom neuen Album und geschickt eingestreuter Hits wie „Its not Over“ und „Home“. Auch ein Coversong durfte nicht fehlen, man entschied sich für den Phil Collins-Klassiker „In The Air Tonight“. Abgeschlossen wurde der Gig sinnigerweise mit dem Titel „Long Live Rock and Roll“. Im Gegensatz zu Konkurrenten seiner Zunft setzte Daughtry nicht auf Schnickschnack auf der Bühne. Die spärlich eingerichtete Bühne wurde perfekt ausgeleuchtet mit breiten Lichtkegeln deren Farben die gesammte Bandbreite des Photospektrum enthielt. Man (und Frau) wähnte sich zeitweise wegen der wohligen Atmosphäre an einem intimen Wohzimmer-Konzert bei dem nur Künstler die ihr Handwerk beherrschen reüssieren.

 

Alles war perfekt- zu perfekt. Irgendwie haftet der ganzen Rock-Produktion der Stallgeruch eines modernen „Cinderella-Märchen“ an inszeniert durch eine Plattenfirma. Sind wir mal ein Bischen ketzerisch. Nehmen wir an ein CEO einer grossen amerikanischen Plattenfirma will die Vakanz in der Sparte Rock‘n‘ Roll mit einem talentierten Rock-Sänger füllen. Einen besseren Protagonisten als der kahlköpfige, sympathische, durchtrainierte und tätowierte Familienvater Chris Daughtry gibt es nicht. Der auch in der Werbung als legitimer Nachfolger eines in atlanta beheimateten Süssgetränkeherstellers, derren Light-Produkte in Büroräume ausliert und junge Frauen zum schwärmen bringt. Um dem vorhandenen zweifellos erfolgsversprechenden Musikmaterial den letzten Schliff zu geben engagiert man einen Spitzenproduzenten wie z.B. Max Martin. Die PR-Abteilung entwirft ausnahmsweise kein sündhaftteures Bühnendekor dafür eine opulente Lichtshow . „Et voila“- fertig ist die aus dem Boden gestampfte Retorten-Rockshow.

 

Dass das Konzept auch in Wirklichkeit aufgehen kann, beweisen die sechs aus North Carolina stammenden Rocker seit sieben Jahren. Es waren an diesem Abend viele zufriedene Gesichter auf dem nach Hause weg zu beobachten die leise Songs von Chris Daughtry summten.

 

 

Datum:                14. März 2014

 

Lokalität:              Konzertfabrik Z7 Pratteln

 

Einttritspreis:       Fr. 40.-

 

Spieldauer:          75 Minuten