Konzertberichte 2013

Doro

- null dB  - Crown of Glory

3 Adventskerzen und

ein redseliges Perpetuum mobile

Anlässlich Ihrer „30th Anniversary Tour“ legte die deutsche Metal-Queen Doro Pesch mit Ihrer Band zum dritten Advent im pratteler Rock Tempel Z7 einen energiegeladenen Auftritt hin. Bei dieser sonntäglichen „Metal-Predigt“ zündeten noch Crown of Glory und null dB am imaginären Z7-Adventskranz eine Kerze an.

 

 

Die erste Kerze am Z7 Adventskranz durften die einheimischen Crown of Glory entzünden. Sie taten dies überzeugend mit einem dreiviertel-stündigen Melodic-Metal-Set. Abwechslungsreiche Arrangements gepaart offensichtlicher Spielfreude und starker Bühnenpräsenz. Obwohl die Halle für eine Vorband schon sehr gut gefüllt war, ging das Publikum auf die wiederholten Aufforderungen des Sänger Henne Muther zum mitklatschen und singen nur bedingt ein. Aber dies lag wohl daran das der Sound nicht genügend Druck hatte als am Können der luzerner Metaller. 

 

 

Die zweite Kerze wurde von den würzburger null dB entfacht. Der Stil der deutschen ist als „neue deutsche Härte“ zu bezeichnen und par-tout nicht als xte-Rammstein-Kopie. Auch wenn sie Ähnlichkeit mit den Berlinern vehement bestreiten, sind stilistische Parallelen (Deutsche 

Texte und dem Rammstein typischen Tanz-Metal) unverkennbar. Wenn auch tiefgründiger und weniger polarisierend als bei Rammstein. Optisch waren die Unterfranken das Highlight des Abend. Basser Matze Hottinger stand im schotten Kilt auf der Bühne. Gitarrist Mischa Matveev trat als Mister Black& Withe auf. Kopf und Oberkörper je zur Hälfe schwarz und weiss angemalt. Schlagzeuger Fabi Angermüller gab in bester „Buchhalter Nötzli-Manier“ mit gebügeltem weissem Hemd und Krawatte  den Takt an. Einzig Sänger und Leadgitarrist Frank Kühlheim war mit schwarzer Lederkutte und langen Haaren Metalhead-Like bekleidet. Die deutschen Nu-Mettaler knallten 45 Minuten Hits wie Endzeit oder Revolution wie der Donner eines Sommergewitters ins pratteler Publikum. Zurecht dürfen sie Doro während ihrer gesamten „30th Anniversary Tour“ supporten. Ein Augen- und Ohrenschmaus.

 

 

Die dritte Kerze am Adventskranz durfte an diesem Abend die Metal Queen Doro Pesch entzünden. Seit 30 Jahren tourt sie rund um die Welt. Von 1983 -1988 als Frontfrau von Warlok und ab 1989 solo. In diesen drei Dekaden haben sich einige Hits angesammelt. I Rule the Ruins, All We Are, Burning the Witches, Raise Your Fist, die offizielle Wacken-Hymne We Are the Metalheads oder die Gänsehaut Ballade Für Immer ist nur ein kurzer Auszug aus der Set-Liste. Da die Düsseldorfrein in 30 Jahren sämtliche Grössen der Metal-Gemeinde getroffen hat und auch zu ihren Freunden zählen darf braucht sie nicht „abverreckte“ Cover‘s zu basteln sondern darf Songs wie Breaking the Law von Judas Priest ohne mit der Wimper zu zucken nachspielen. Ein Privileg das nur ganz wenigen zu steht. 

Doro‘s Bühnenpräsenz mahnt in gewisserweise an ein perpetuum mobile das einmal in Gang gesetzt – ohne weitere Energiezufuhr ewig in Bewegung bleibt. Erstaunlich wie die 49 jährige quirlige, zum Teil hyperaktive Wahl New Yorkerin immer noch wie ein 20 jähriger Jungspund über die Bühne fetzt. Stimmlich wusste die zierliche Powerfrau auf ganzer Linie zu überzeugen. Dafür agierte sie zwischen den Songs man-chmal ein Bischen zu redselig. Aber weil sie halt soviel Energie hat und das Adrenalin in jedem der 155 cm Körpergrösse hoch zehn vorhand-en ist und auch mit Lastwagenladungen voll Ritalin nicht zu stoppen ist verquasselt sie sich immer wieder. Ein paar „Ich liebe euch, darum mache ich das seit dreissig Jahren auch so gerne“, hätte Ihre zweistündige Show tadellos gemacht.

 

 

Es war ein 120 minütiger gekonnter Mix aus alten und neuen Songs. Man darf gespannt sein ob sie ihr mehrmaliges Versprechen“ Ich mach das noch weitere dreissig Jahre“ einlösen kann. Irgendwie ist es ihr zu zutrauen.