Konzertberichte 2013

Greenfield Festival 2013

Rammstein, Queens Of The Stoneage, Nightwish, Stone Sour, Airbourne und Mono Inc

                                  

Donnerstags-Zwickmühle

im Metal-Paradies

Zum neunten mal fand auf dem alten Militärfulgplatz Interlaken umrahmt von der malerischerischen Berg-Kulisse das Greenfield-Festival statt. Dank dem hochkarätigen Line-Up mit Rammstein, Queens of the Stone Age, Prodigy und Nightwish konnten die Organisatoren Zuschauerrekord mit 27 205 Besucher verzeichnen. Es war ein ausgelassenes Happening, bei mehrheitlich sonnig-em Wetter und etlichen musikalischen und naturalistischen Gewitter. 

 


Donnerstag 13. Juni

Der erste Tag war ein musikalisches Feuerwerk im wahrsten Sinn des Wortes mit mehreren Programm-Zwickmühlen. Die erste Duftmarke setzten die amerikanischen Queens of the Stone Age. Mit ihrem druckvoll gespielten „Stoner-Rock“ begeisterten die Mannen um Josh 

Homme 75 Minuten lang das zahlreiche Publikum. Die letzten Töne der „Königinnen der Steinzeit“ waren noch nicht verhalt, ging‘s mit dem nächsten Highlight auf der Clubstage weiter. Es spielten Stone Sour aus England auf. Facettenreich einmal brachial wütend, dann sanft und fast scheu um dann wieder mit druckvollen Gitarrenwänden und Schreigesang alles nieder zu mähen. Die Band um Corey „Fucking“ Taylor legten einen tadellosen Auftritt hin. Auch das einsetzende Gewitter mit etlichen Sturmböen konnte den zahlreichen Fans den Spass nicht verderben. Es wurde enthusiastisch mitgesungen und getanzt. Nach einer halben Stunde hatte Petrus eingesehen dass er den Metalheads den Spass nicht verderben kann und stellt von strömenden - auf Nieselregen um. Und schon kam zum zweiten mal die Programm- Zwick-mühle. Noch eine Viertelstunde Stone Souer und von weitem waren schon die ersten Pyros des Hauptact‘s Rammstein auf der Mainstage zu sehen. Erstaunlich viele Zuschauer zogen die letzten 15 Minuten Stone Sour den deutschen Headliner vor. Zu recht, die Amerikaner spielten eins von Top zwei Konzerten.

Zum Top Shot des Festival. Für sie wurden nicht nur die Festivaltage von Freitag- Sonntag auf Donnerstag- Samstag vorverschoben. Wegen ihrer aufwendigen Show musste auch die grösste, jemals in der Schweiz für ein Open Air aufgestellte Bühne mit den Massen von 20 Meter hoch, 60 Meter breit, 30 Meter tief und 600 Tonnen Material vergrössert werden. Gigantisch- wie auch die Show der Berliner. Sie boten den typischen Tanzmetal-Sound (Beschreibung der Band Ihrer Musikstilrichtung) mit Feuer und Pyros. 

Über Rammstein scheiden sich die Geister. Die sechsköpfige Band um Till Lindemann (Gesang),Christoph „Doom“ Schneider (Drums), Christian “Flake“ Lorenz, Oliver Riedel (Bass) Richard Kruspe und Paul Landers (Gitarren) polarisieren gerne mit ihren Texten die sie auch aus Spiegelbild der Gesellschaft sehen. Ihre opulenten Show bescheren dem Sextett ausverkaufte Headliner Touren rund um die Welt. Ihre Show‘s sollte Mann und Frau als Theaterstück sehen, so sind Ihre Aufführungen ohne peinlich berührt zu Boden blickend zu geniessen. Und dass taten die fast 30‘000 Metalheads mit Vergnügen. Das konnten sie auch von der ersten Nummer „Ich tu dir weh“ bis zur letzten Nummer „Pussy“. Die Show bot alles was Hollywood nicht besser inszenieren könnte. Brennender Stuntmen bei „Benzin“. Raketen gegen das Misch-pult bei „Du hast“. Dampfender Kochtopf mit Keyboarder Flake als Menuzutat bei „Mein Teil“. Peniskannone mit Sperma imitierenden Schaum-

ausstoss bei „Pussy“. Dahinter während der ersten Konzerthälfte ein rostiges  Bienenwaben-Dekor dass in der Mitte des Konzerts durch eine aufwendige Stahlkonstruktion abgelöst wurde. Im Mittelpunkt dieses Stahl-Gebildes war ein grosser R in der Form des Rammstein-Schrift-zugs der gegen Ende der Show in Flammen gesetzt wurde. Über den Köpfen befanden sich vier grosse Scheinwerfer die aus der Weite wie schwebende „Cookies“ aussahen. Sie konnten in der Höhe und auch schräg gestellt werden. Mehrheitlich standen sie gerade liessen einen dicken Strahllicht auf die Musiker heruntergleiten. Es erinnerte ein bischen an die Beamer des Raumschiff Enterprise nur (und Gott sei Dank) erteilte Till Lindemann nie den Befehl „Beam us up, Scotty“.

Die deutschen waren zurecht der Headliner des Festival‘s. Sie verabschiedeten sich nach 120 Minuten Spektakel in Ihrer typischen Art kurz und bündig mit den Sätzen: “Das war Rammstein. Vielen, vielen herzlichen Dank. Grüezi Schweiz“.

 


Freitag 14. Juni

Am Freitag war das Line-Up nicht weniger interessant. Mit Burry Tomorrow, Danko Jones, Emil Bulls, Nofx, den Trash-Ikonon Slayer die auch ohne Ihren vor monatsfrist verstorbenen Lead-Gitarristen Jeff Hanemann einen satten Auftritt hinlegten. Den Amerikanern Cohed and Cambria mit dem hochbegabten Chef „Claudio Sanchez“ dessen Gesicht wegen seiner überdimensionalen Afro-Frisur während des Auftritt‘s nur selten zusehen war. Und als Tages-Headliner die englischen Techno-Metaller von The Prodigy. Die mit ihrem Druckvoll gespielten Tech-no das Gre-enfield in eine riesige Open Air Disco verwandelten. Synthetische Techno Musik an einem Metal-Festival geht dass ? Ja, schon zum zweiten mal engagierten die Greenfield-Macher das Britische Quarrtet als Hauptact.

Und die Stimmung war sehr gut. Aber insgesamt war trotz trockenem Wetter der Tag nicht so gespickt mit Höhepunkten.

 


Samstag 15. Juni

Am letzten Festival-Tag war das Programm wieder hochkarätiger. Erstes Highlight war der Auftritt der in der Schweiz noch unbekannten Mono INC. Das Quarrtet aus Hamburg um Frontmann Martin Engler mit Manuel Antoni (Bass), Carl Fornia (Gitarre) und der feingliedrigen aber schlagkräftigen Drummerin Katha Mia konnte das zu unrecht spärlich aufmarschierte Publikum um drei Uhr Nachmittags von der ersten Sekunde an mit Ihrem melodiösen Gothik-Metall und den mitsing Refrains mitreissen. Der 60 Minütige Auftritt war das zweite Festival High-light. Neben den ausser Konkurrenz rangierenden Rammstein. Weiter ging‘s auf den zwei Bühnen mit den bekannten Adept aus Schweden, Boysets Fire aus Amerika und den irischen Bullet for my Valentine. Gespannt durfte das Publikum auf die australischen Airbourne sein. Die unter 30 Jährigen 80-er Jahre Hardrocker gelten in Ihrer Heimat als Nachfolger von AC/DC. Die Schulterlangen Dauerwellen sitzen perfekt. Die Körper sind durchtrainiert wie die eines Kunstturner‘s. Sixpack inklusive. Und das schneeweise pepsodent Lächeln sitzt in jeder Lebens-lage. Auch am Einsatz hätte jeder Fussball-Profi-Trainer seine Freude. Nicht‘s von Flasche leer nach 20 Minuten. Hin und her über die ganze Bühnenbreite. Runter in den Bühnengraben und postwendend wieder hinauf. Und des Guten der Bewegung noch nicht genug. Liegend auf dem Rücken auf der Bühne mit der Gitarre im Anschlag den Himmel anbetend das er doch vor lauter Freude an ihrer Perfor-mance nicht wieder zu weinen (Regnen) beginnt. Genützt hat‘s nicht viel. Es regnete kurze Zeit später zu Erfrischung der Zuschauer kurz. Trotz 100 % Einsatz, Airbourne kommt noch nicht an Angus Youngs-Truppe heran. Aber man darf sehr gespannt über die weitere Entwick-lung der Band sein. Während auf der Clubstage Eskimo Callboy und Deez Nuts ihren Metalcore zum besten gaben, sollten auf der Main-stage SKA-P ihren von vielen Zuschauern sehnlichst erwarteten gute Laune Gig spielen. Aber es wurde gewartet, gewartet und gewartet. Dabei waren die Ins-trumente und das SKA -P Hang-Out längstens montiert. 5-, 10-, 20-, 30- Minuten. Keine Info‘s. Weder über Lautsprecher, Facebook oder Twitter. Das Geduldsspiel ging weiter. Oder treffender ausgedrückt: „Mensch ärgere dich nicht“ - Open Air mit 27000 Mitspiel-ern. 40-, 50- Minuten. Immer noch nicht‘s. Nach 55 Minuten kam die Band endlich auf die Bühne und orientierte die Masse halbspanisch-halbenglisch, dass es Probleme mit dem Equipment gebe. Und nach 60 Minuten war der Defekt endlich soweit behoben dass ein viertel-stündiges Kurzkonzert gespielt werden konnte. Ein sehr grosser Teil des Publikum war verärgert und tat Ihren Unmut durch ein gellendes Pfeifkonzert kund. Irgend-wie wurde man den Eindruck nicht los, dass, obwohl es sich um erfahrene Profis handelte in lockerer spanischer- “Wenn nicht heute - dann morgen“ Manier es ihnen egal war dass sie nicht spielen konnten.

 

Ganz anderes der finische Tages-Headliner Nightwish. Auch sie hatten zu Beginn des Konzert‘s Probleme mit Ihrer Anlage. Da zeigte sich die temporär Sängerin Floor Jansen als wahrer Profi. Informierte nach dem ersten Song kurz über die Probleme. Erzählte eine Geschichte und schäkerte noch ein wenig mit dem Publikum und nach weiteren fünf Minuten konnte die „Imaginaerum“ Tour Show richtig starten. Mit viel farbigem Licht, Feuerwerk und einer überdimensionalen Leinwand über den Köpfen der Musiker auf diese den Songs entsprechend passende Bilder projiziert wurden. Dass war ein professioneller Auftritt und ein mehr als würdiger Schlusspunkt eines abwechslungsreichen und mit Höhepunkten gespickten Greenfield Festival 2013.

 

 

Bilanz:

Ein wiederum tadellos organisiertes, mehrheitlich friedliches Festival gehört der Vergangenheit an. Mit drei Sommer (Sonnen) Tagen, einem kurzen Gewitter am Donnertsagabend und vielfältigem Programm mit Metal-Bands jedlicher Stilrichtung.

 

Nur noch 363 Tage bis zum nächsten Greenfield-Festival - dem zehnten. Lassen wir uns überraschen was die Organisatoren zum Jubiläum planen. Vielleicht ein viertägiges Festival !