Konzertberichte 2019

Ice Rock Festival 2019

Gus G,  Shakra,  The Night Flight Orchestra,  Bonestetter,  Sorcerer,  Jesus Chrüsler Supercar,  Firerose

                                  

Wie wenn Ed Sheeran in der Mehrzweck-halle Obergoldbach spielen würde

Auf Grund von privaten Verpflichtungen und winterlichen Strassenverhältnissen beginnt die diesjährige Ice Rock Festival Reportage erst mit dem zweiten Teil des Shakra Konzerts.


Daher verpassten wir ausgerechnet die erste Band Chickenhouse von Organisator Fridu Gerber an den Drums. Aber eben das zum Festivaltitel passendes Wetter, mit anhaltendem Schneefall, glätte, drei Rehe die plötzliche aus der Dunkelheit die Fahrbahn überquerten und unangenehme Bise verunmöglichte ein früheres Erscheinen. Es ist eben Ice Rock Zeit und nicht Summer Brezze Festival, obwohl die zweite Band, die Emmentaler Lokalmatadoren Shakra auch gut an dieses im August statt findende Festival passen würden. Die vier Herren um Bandleader Thom Blunier demonstrierten ihre Zugkraft und der Ice Rock Schober war sehr gut gefüllt. Routiniert und Druckvoll bretterten die Jungs aus dem Trub eine 90 Minütige Show mit den Hits „Hands On The Trigger“ und „Rising High“ auf Bretter der Ice Rock Bühne! Der Crowd gefiels, klatsche und sang zur Zufriedenheit des Shouters Mark Fox munter mit. Für uns als Kenner der Band, die wir schon zu Ruckus- Zeiten und während den ersten Schritten als Shakra begleiteten, fehlt etwas! Es ist das gleiche Problem wie bei Gotthard. Nein- es ist nicht dass die Original- Sänger nicht mehr am Mikrophon stehen. Vielmehr ist es das wilde und ungehobelte, dass uns- aber nur uns fehlt, wie die mitgereiste grosse Fangemeinde zeigte.

 

Der dritte und letzte Act am ersten Tag war ein Leckerbissen. Um 22.50 Uhr war der Check-In abgeschlossen, alles an Board und das The Night Flight Orchestra konnte unter Captain Björn Strid zum anderhalbtstündigen Flug abheben. Huch- aber was war da los? Nicht alle die sich ein Ticket erworben hatten waren an Board. In der Mitte der Zuschauerreihen klafften Löcher und auf den Seiten konnte man locker von zu hinters bis zur Bühne spazieren! Dabei standen grosse Namen wie Björn Strid und David Andersson von Soilwork und Sharlee D’Angelo von Arch Enemy auf der Bühne. Um sich noch einmal vor die Augen zuführen was mit der Verpflichtung von The Night Flight Orchestra dem Booking- Duo Gerber / Forster gelungen ist, ist der passende Vergleich wie wenn Ed Sheeran in der Mehrzweckhalle Obergoldbach spielen würde. Das ist nicht übertrieben, den spielen Soilwork dieses Jahr am grössten Heavy Metal Open Air der Welt in Wacken wie dies Arch Enemy letztes Jahr auch taten.

Tja, da waren wohl wieder etliche Hardrock Touristen anwesend, die für den Rest des Jahres ausser an einem weiteren Shakra Auftritt kaum an Rock-Konzerten anzutreffen sein werden. Schwamm drüber, den sie verpassten ein abwechslungsreicher, auf hohem musikalischem Niveau stehender Auftritt des achtköpfigen Night Flight Orchestra. Wir können es uns immer noch gut vorstellen: Wir auf einem Transatlantikflug, nach dem verzehr der Bordmahlzeit, bereiten wir uns auf die weiteren sieben Stunden Flugzeit vor. Lehnen uns entspannt im Sitz zurück, ziehen die bereitgelegten Kopfhörer über in der in Enlosschlaufe die vier veröffentlichten Scheiben TNFO laufen und dösen so langsam dem Sonnenaufgang entgegen- wunderbar. Ebenso war der Gig der sechs Schweden mit ihren zwei Background(Stewards)Sängerinnen in pinkigem Flugbegleiter- Out- Fits.

Ja Fridu- "Das isch öpis gsi"-sensationell!

 

Nachdem Rock Out- unter dem Motto Talentförderung schon letztes Jahr am Ice Rock spielen durften und überzeugten wurden sie als Belohnung erneut engagiert um den zweiten Tag zu eröffnen. Die Jungs haben was drauf, spielten die Meute gekonnt warm und Sänger Florian Badertscher entpuppte sich als Entertainer der das Publikum bestens unterhielt. So flott dass der zugeteilte Slot zu kurz war um die ganze Setliste herunter zu spielen. Von den jungen Emmentalern wird sicher noch einiges zu hören sein dank ihren erst 20 Lenzen.

 

Eine abenteuerliche Anreise hatte die darauffolgende Band Animal Drive hinter sich. Da sie nicht gerne fliegen, nahmen sie den Weg aus Koratien ins Emmental mit dem Auto unter die Räder. Die enormen Schnemassen in Österreich, wo zurzeit einige Täler von der Umwelt abgeschnitten sind machten ihren Weg noch beschwerlicher. Dies hatte aber keinen Einfluss auf die Spielfreude der Osteuropäer. Ein breites Spektrum wurde in den 60 Minuten Auftrittszeit abgedeckt. Druckvoller Heavy Metal gespickt mit einer Brise progressivem Metal und zur Stimmungsmache das Roxette- Cover „The Look“. So brachten die Vier Kroaten aus Zagreb den sehr gut gefüllten Ice Rock Schober definitiv auf Betriebstemperatur.

Nun war alles bereit für den Griechischen Gitarren- Virtuosen- Kostas Karamitroudis. Hä? Wer? Natürlich meinen wir Gus G der auch schon für Ozzy Osbuorne und Arch Enemy in die Saiten gegriffen hat. 90 kurzweilige Minuten bespielte der 39 Jährige und seine zwei Mann All Star Band die Crowd. Ja da war eine geballte Ladung Musikerfahrung auf der Bühne. Am Bass und Gesang war Dennis Ward. Miglied bei Pink Cream 69, Unisonic und ausserdem bekannt als Studiobesitzer und erfolgreicher Produzent diverser Metal Bands wie Axxis,  Krokus und Sinner. An den Drums war ebenfalls ein bekanntes Gesicht anzutreffen. Felix Bohnke Mitglied von Edguy und Avantasia wo er regelmässig Monsterset von bis zu drei Stunden trommelt- was eine Kondition eines Marathonläufer voraussetzt. Immer wieder erstaunlich was drei versierte Musiker für einen Druck aus den Boxen bringen! Auftritte von Solisten wie eben Gus G oder auch Slash bergen aber auch die Gefahr das zwar technisch fast überirdisches Geboten wird aber dass es für die Zuschauer mit der Zeit langweilig wird. Dass war aber bei Gus G an diesem Abend nicht der Fall. Dank ausgewogener Songauswahl zwischen Instrumental- und normalen Songs mit Textpassagen. Ja- „Das isch öpis gsi “ und zwar nicht einmal sensationell, sondern wie Organisator Fridu Gerber meinte: „3x sensationell“.

 

Den Abschluss des zweiten Tages machen die Berliner Kick Ass Rock’n’Roller Bonesetter. Nach einer Stunde munterer Unterhaltung wurden die Zuschauer in die frisch verschneite Nacht entlassen.

 

Der letzte Tag war stilistisch sehr abwechslungsreich. Den ersten Slot am Samstag belegten Gloria Volt, die Gewinner der Ausschreibung „United Forces For Rock’n’Roll“ National der Zusammenarbeit zwischen dem Veranstalter und der Souls Of Rock Fondation. Gefolgt von den Basler Hardrockern Fire Rose und dem Gewinner „United Forces For Rock‘n’Roll“ International den Schwedischen Death Roller Jesus Chrüsler Super Car. Es folgte der frenetisch bejubelte Heavy Metal Gig von The Stormzone. Ehe die ebenfalls aus „Tre Kronor Reich“ stammenden Epic Doom Metaler von Sorcerer die Ice Rock Bühne bespielten. Die Ehre als letzte Band und dem Ice Rock 2019 endgültig die Krone aufzusetzen hatten die Kick As Rock‘n‘Roller The Treatment. Was sie auch eindrucksvoll taten.

 

Fazit: Einmal mehr war die Zeit viel zu schnell vergangen in Wasener Hornbach. Alles passte vom Wetter(Verschneites Gelände und tiefe Temperaturen), zum Line Up( Vielseitig und zugkräftige Namen wie Gus G und Shakra) bis hin zur Organisation und den friedlichen und gutgelaunten Besuchern. Immer wieder erstaunlich wie das Organisationskomite die vergangene Ausgabe toppen kann. Sei es auch nur dass dieses Jahr erstmals mit dem Ice Rock Motiv bestickte Bändchen als Zutrittsberechtigung abgegeben wurden. Mal schauen was sich Gerber/ Forster für nächstes Jahr überlegen um die 19ner Ausgabe zu übertrumpfen. Wir sind gespannt und bleiben dran!


P.S. Am Rande wurde die sehr sympathische und unterstützenswerte CD-Aktion „Metal4ever“ vorgestellt. Hierzu steuerten einige namhafte Bands Songs hinzu wobei der Erlös Krebskranken Kindern zu gute kommt. Weitere Information hier.

Website: Ice Rock Festival 2019

Website: Gus G

               Shakra

               The Night Flight Orchestra

               Sorcerer

               Animal Drive

               Bonesetter

               Chickenhouse

               Rock Out

               Gloria Volt

               Firerose

               Jesus Chrüsler Supercar

               Stormzone
               The Treatment

 

Die Bilder: